Die Mitte ist aus dem Blick geratenJesus Christus gilt als das Zentrum des christlichen Glaubens. Doch für viele ist diese Mitte nicht mehr klar erkennbar. In kirchlichen Kontexten ist häufig von Werten, von Spiritualität oder von Gott allgemein die Rede - aber kaum noch von Jesus in seiner Konkretheit. In persönlichen Glaubensbiografien bleibt er oft ein vager Bezugspunkt, eine symbolische Figur oder ein ethisches Ideal.Dabei steht Jesus im Neuen Testament im Mittelpunkt jeder theologischen Aussage: Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der, der heilt, lehrt, konfrontiert, vergibt - der gekreuzigt wurde und von dem behauptet wird, er sei auferstanden. Doch was das bedeutet, bleibt für viele unklar: War er nur ein guter Mensch? Ein göttlicher Gesandter? Oder tatsächlich der menschgewordene Gott?Die Schwierigkeit liegt darin, dass die Figur Jesu für viele zwar vertraut, aber theologisch nicht durchdacht ist. Es fehlt an einem Ort, an dem grundlegende Fragen über ihn systematisch gestellt und verantwortlich beantwortet werden: Wer war Jesus historisch? Was beansprucht der Glaube über ihn? Und wie lässt sich seine Bedeutung heute verstehen?Zielsetzung: Eine theologisch kohärente Annäherung an die Person ChristiDer vorliegende Kurs zielt auf eine methodisch kontrollierte, schriftgebundene und systematisch fundierte Christologie, die sich weder in historischen Rekonstruktionen noch in liturgischen Formeln erschöpft, sondern die Person Jesu Christi als hermeneutischen Schlüssel christlicher Theologie entfaltet.Ausgangspunkt ist die Überzeugung, dass sich alle zentralen theologischen Grundbegriffe - Offenbarung, Versöhnung, Gnade, Wahrheit, Eschatologie - nicht sinnvoll unabhängig von Christus denken lassen. Dementsprechend wird Jesus nicht als ein „Aspekt" des christlichen Glaubens behandelt, sondern als dessen konstitutives Zentrum.Im Sinne eines theologischen Lernprozesses wird der Kurs drei leitende Perspektiven miteinander verschränken:Die exegetische Dimension - Die Analyse zentraler neutestamentlicher Christuszeugnisse (Synoptiker, Johannes, Paulus) im Licht moderner BibelhermeneutikDie dogmengeschichtliche Linie - Die Entwicklung christologischer Positionen von der altkirchlichen Zwei-Naturen-Lehre bis zu reformatorischen und modernen SystementwürfenDie systematisch-theologische Relektüre - Eine sachgerechte Christologie, die auch unter Bedingungen moderner Anthropologie, Religionskritik und Pluralitätsbewusstseins denkfähig bleibtDer Kurs gliedert sich in zehn Hauptlektionen sowie zwei Vertiefungseinheiten. Inhaltlich werden sowohl die klassischen loci der Christologie (Inkarnation, Sendung, Passion, Auferstehung, Wiederkunft) als auch systematische Fragestellungen (Christus und Anthropologie, dogmatische Struktur der Christuserkenntnis) entfaltet.Thematische Schwerpunkte u.a.:Die Inkarnation als ontologische Selbstmitteilung GottesJesu Verkündigung und das Reich Gottes als theologische KategorieDie Wunder und Gleichnisse als hermeneutischer Zugang zur ChristusidentitätDer Kreuzestod im Spannungsfeld von Sühne, Solidarität und göttlicher SelbsthingabeDie Auferstehung als eschatologische Legitimation und hermeneutische SchlüsselkategorieDie Parusie als Kriterium christlicher ZukunftserwartungChristologie als Grundlage theologischer Anthropologie und Ekklesiologie